Greiz

Die kleine Stadt Greiz, Residenz des Fürstentums Reuß ä. L., und deren Umgebung, zählte einst zu den am meisten industrialisierten Regionen Deutschlands. Dominiert von alteingesessener Haus- und Manufakturweberei und Papierherstellung, begann die Industrialisierung 1811 mit Errichtung einer Spinnerei, der 1824 die erste Weberei als den beiden ersten nachweislich angesiedelten Industriebetrieben folgte. In kurzer Zeitspanne kamen noch Appretur-Anstalten, Maschinenbau und andere Zuliefererindustrien, wie beispielsweise die chemische Industrie, hinzu. Die Spezialisierung erfolgte auf Wollweberei, speziell Kammgarnprodukte, vor allem für hochwertige Kostüm- und Anzugstoffe, es wurden aber auch in geringerem Maß Seiden- und andere Stoffe hergestellt. Entsprechend war der Stolz der Greizer auf ihre hochwertigen Produkte und Dr. Doehler formulierte "Was Greiz gewebt und Greiz gefärbt, das hält bis es die Enk'lin erbt!"

Die industrielle Entwicklung des kleinen Fürstentums war überdurchschnittlich, unter anderem auf Grund dessen und der daraus resultierenden (Steuer-)Einnahmen war das Fürstentum Reuß ä. L. bei der Reichsgründung 1871 eines der wenigen Beitrittsstaaten ohne Schulden. 1892 waren bereits 11.205 mechanische Webstühle (Webmaschinen) unterschiedlichen Typs in Betrieb. 1902 gab es in Greiz 11 Millionäre unter den Fabrikanten, so dass Greiz pro Kopf wohl die meisten Millionäre in Deutschland aufweisen konnte. Ein paar Zahlen mögen dies untermauern.
Im Dezember 1936 waren in der Stadt Greiz:7.358 Menschen in der Textilindustrie beschäftigt (bei ca. 40.000 Einwohnern). 7.200 Webstühle waren vorhanden, davon 5.284 in Gang. Produziert wurden 32.108.265 m² (32 Millionen Quadratmeter) Stoff, das entspricht monatlich 2.675.688 m². Bei ähnlicher Leistung wurden damit im Jahr darauf (1937) Waren im Wert von 74.390.582 Reichsmark erwirtschaftet, nach heutigem Geld (Faktor 4.58) wären das 340.708.866 EUR.Eine Jahresproduktionen jeder einzelnen der größten Webereien von 1 bis 2 Millionen m² Stoff waren typisch. Der größte Arbeitgeber war wohl die Georg Schleber AG, die 1920 allein 1006 Beschäftigte hatte, denn sie hatte als Appreturanstalt die von den Webereien erzeugten Stoffe zu färben und auszurüsten.
Nach zum Teil mehr als hundertjährigem Bestehen wurden alle großen Firmen zwischen 1945 und 1949 enteignet und in VEBs überführt, manch kleine erst 1972. Die Umstrukturierungen dieser Jahre sind oft verwirrend. Viele der Textilbetriebe existierten aber als Bestandteil des VEB Greika bis 1990 weiter und firmierten ab 15. Mai 1990 als Greika GmbH. Einige Betriebsteile wurden in dieser Zeit verkauft oder rückübereignet. Hoffnungsträger waren in den Jahren danach Investoren aus Indien, die sich jedoch bald als Betrüger erwiesen. Der Inder kaufte die gesamte Textilindustrie von Greiz und Reichenbach für 3,-DM und erhielt von der Treuhang noch 10 Millionen DM geschenkt. Der Treuhand danken 4500 Greizer Textillarbeiter die Arbeitslosigkeit. Die alten Fabrikgebäute wurden mit 1,€ Schobern abgerissen. Nur noch alles Geschichte.
Die traditionsreiche Textilindustrie endete am 1. April 1997 mit der Gesamtvollstreckung des in Konkurs gegangenen Unternehmens Greika GmbH. Die Jahre danach waren wie vielerorts von Verfall und Abriss der Gebäude geprägt.
Quelle: Wikipedia